Wie können Offshore-Windparks nicht nur die Energiewende unterstützen, sondern auch zu einem gesünderen marinen Ökosystem und einer optimierten Nutzung des Seegebiets beitragen? Diese Fragestellung ist zentral im Reallabor 70 GW Offshore Wind. Kürzlich veröffentlichte ein Forscherteam aus dieser Kooperation ein Fachpapier in der Zeitschrift Marine Policy. Die Veröffentlichung in der Dezember-Ausgabe (Band 182, https://doi.org/10.1016/j.marpol.2025.106893) erfolgte unter der Mitwirkung von Sabine Horn vom Alfred-Wegener-Institut sowie den Reallabor-Wissenschaftlern Torsten Schlurmann, Alexander Schendel (Forschungszentrum Küste, Leibniz Universität Hannover), Nils Goseberg (Forschungszentrum Küste, TU Braunschweig) und Andreas Kannen (Helmholtz-Zentrum Hereon).
In ihrer Untersuchung beleuchtet die Studie, wie Offshore-Windparks multifunktional genutzt werden können, indem sie Energieerzeugung mit Projekten zur Lebensraumrestauration, dem Einsatz künstlicher Riffe, Aquakultur oder anderen erneuerbaren Energiequellen kombinieren. Diese Strategie könnte dazu führen, dass Windparks gleichzeitig ökologische und wirtschaftliche Vorteile bieten.
Die Forscher:innen weisen darauf hin, dass diese Ansätze bedeutendes Potenzial besitzen, jedoch bisher selten in Planungsprozesse von Offshore-Windparks integriert werden. Ein Problem ist, dass der Fokus auf ökologische Aufwertungsmaßnahmen innerhalb von Windparkgebieten nicht die übergeordneten Naturschutzziele gefährden darf, wie die Einrichtung von Meeresschutzgebieten. Es wird vorgeschlagen, dass Mehrfachnutzungskonzepte als ergänzende Optionen betrachtet werden sollten: Durch sorgfältige Planung und den Austausch mit den relevanten Interessengruppen können sie den ökologischen Fußabdruck von Windparks minimieren und zur Regeneration beeinträchtigter Meereslebensräume beitragen.
Für das Reallabor 70GW Offshore Wind sind diese Erkenntnisse von erheblicher Bedeutung. Unser Bestreben ist es, das rasche Wachstum der Offshore-Windenergie so zu steuern, dass Energieerzeugung, Umweltschutz und gesellschaftliche Bedürfnisse harmonisch aufeinander abgestimmt werden. Der Artikel verdeutlicht, dass durch wissenschaftlich fundierte Mehrfachnutzungskonzepte, die in Zusammenarbeit mit Stakeholdern entwickelt wurden, die ökologischen Auswirkungen verringert, die Biodiversität gefördert und der begrenzte maritime Raum effizienter genutzt werden kann, sowohl für den Menschen als auch für die Natur.